Handwerk, Kunst & Lehm
Handwerk, Kunst & Lehm

Kurzes über die Lehmbaugeschichte...

Lehm ist eine Mischung aus Ton, Schluff und Sand.

Lehm entsteht durch die Verwitterung von Gestein.

Das Bindemittel Ton ist für die Klebkraft des Lehms verantwortlich und damit für die Nutzung als modelierbarer Baustoff.                                        

Schon seit Menschengedenken ist Lehm neben Holz und Natursteinen weltweit einer der ersten Baustoffe, der sich bis heute erhalten hat. Geschichtlich ist das Bauen mit Lehm nicht zu begrenzen. Funde aus der Jungsteinzeit lassen den Schluss zu, dass neben Stein und Holz der Lehm eines der Hauptbaumaterialien war.
Lehm ist in den meisten Regionen der Welt

verfügbar. Er lässt sich leicht abbauen und einfach mit der Hand oder Holzwerkzeugen verarbeiten.
Die Plastizität und Anhaftung ist vielseitig nutzbar, und deshalb findet dieser Baustoff seinen Platz in den verschiedensten Gebäuden, Anlagen und auch Kunstgegenständen.

Wälle, Gräber, Kultstätten, Wohnhütten, Ställe, Öfen, Teile der chinesischen Mauer, ägyptische Monumentalgräber, Straßen, der Turm zu Babel, Paläste, die Große Moschee von Djenné und viele weitere Gebäude, ganze Dörfer, Siedlungen und Städte in verschiedenen Lehmbautechniken geben Zeugnisse über die vielfältigen Verwendungen einzelner Bauweisen.
In vielen Gebäuden unseres Landes, die vor 1950 errichtet wurden, findet sich Lehm, z.B. als Wand- oder Deckenputz, teilweise in den Geschossdecken und als Ausfachung. Lehmestrich befindet sich bevorzugt in Kellerräumen, Scheunen und Dachböden.
In manchen Dörfern findet man immer noch alte Lehmkuhlen, in denen früher der Lehm abgebaut wurde.
Erst zur Zeit der Industrialisierung wechselt der Trend zu modernen und ab dann auch bezahlbaren Baustoffen wie etwa Gips und Zement. Allmählich wird der Lehm als Baumaterial verdrängt. Lehm gilt nun mehr und mehr als veraltet und unmodern. Ihm wird nachgesagt, ein „Arme-Leute-Baumaterial“ zu sein und der Umgang mit ihm gerät (besonders im Westen Deutschlands) fast in Vergessenheit.
Anfang der 1980er Jahre entwickelt sich ein Umdenken und eine Rückbesinnung auf Baustoffe, die ökologisch und ökonomisch vertretbar sind. Infolge dessen beginnt die Wiederentdeckung und eine Renaissance des Lehms als umweltfreundlicher und gesunder Baustoff. Ökologische Bauweisen, althergebrachte Techniken und verantwortungsbewusstes Bauen gegenüber Mensch und Umwelt gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Man schätzt, dass heute ein Drittel der Menschheit in Lehmhäusern lebt - wir meinen, es dürften eigentlich noch mehr sein!
 

                                                                                                                                                                                            

Warum Lehm verwenden?

Viele Gründe sprechen dafür:                           

  • ökologisch verträglich da fast überall regional und im unbegrenztem Umfang vorhanden,
  • energiesparend, da ohne große Zuführung von Energie bei der Aufbereitung (ca. 1% vom   Energiebedarf die z.B. zur Herstellung von Mauerziegeln oder Stahlbeton benötigt wird)
  • regenerierbarer Baustoff, fast immer wieder verwertbar, Altlehm oft vollständig recyclebar
  • wärmespeichernd, gleicht Temperaturschwankungen aus (thermische Speichermasse)
  • schalldämmend
  • schirmt hochfrequente Strahlungen ab z.B. Handystrahlen
  • geruchs- und schadstoffbindend
  • gesundes Raumklima durch Luftfeuchteregulierung
  • konserviert und schützt eingebundenes Holz (sehr vorteilhaft bei Fachwerkhäusern z.B. in Ausfachungen)
  • pilz- und keimhemmender Baustoff
  • allergikergeeigneter und völlig ungiftiger Baustoff
  • baubiologisch unbedenklich